Christiane Bördner
I love you magazine

Christiane Bördner und ihr Partner, der Fotograf Marcus Gaab, feiern in diesem Jahr das 20. Jubiläum ihrer Kreativagentur THE GAABS, mit der sie für renommierte internationale Brands Kampagnen, Kataloge und CIs entwickeln (z.B. für Nike, Vitra, Stone Island, Joop!, Hugo Boss oder Nymphenburg). Darüber hinaus ist sie Editor in Chief & Creative Director beim I LOVE YOU MAGAZINE, Gründerin und Creative Director von Endless und Art Director des Noah Magazine. Für BLACK IRIS ist die Berlinerin zudem als die Gastkuratorin aufgetreten.

Kuratiert von Christiane Bördner

Du hast für Black Iris Fotografen co-kuratiert und dabei auch Mirka Laura Severa empfohlen. Warum?
Mirka kenne ich schon lange, weil sie mal Praktikantin bei mir war. Ihre Arbeit ist humorvoll, aber auch ästhetisch – das gefällt mir sehr. Im Prinzip arbeitet sie ja hauptsächlich in einem klassischen Still Life, bringt dort aber diese beiden Komponenten des Humors und des Artifiziellen zusammen. Das hat schon fast eine idealisierte Künstlichkeit, die ich sehr frisch finde.

Künstlichkeit bzw. Inszenierung und Realität sind zwei dialektische Zuordnungen, die die Fotografie seit ihrer Erfindung begleiten. Was passiert gerade in der Fotografie, was findest du spannend, und wie siehst du die Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte in der Fotografie?
Ich setze mich viel mit Wahrnehmung auseinander und wie sie sich gewandelt hat. Dabei sehe ich natürlich die ganzen Einflüsse: Ich beobachte, wie sich die Fotografie durch neue Medien, neue Techniken, neue Gerätschaften, durch Photoshop verändert. Allein wenn ich mir alte Fotos ansehe, die wir vor 20 Jahren produziert haben und wie schlecht sie teilweise nachbearbeitet sind. Aber zu diesem Zeitpunkt waren sie vollkommen in Ordnung. Heute kann eigentlich kein einziges Foto mehr ohne Nachbearbeitung gedruckt oder rausgeschickt werden. Wie künstlich die Wahrnehmung dadurch wird! Dazu habe ich letztens auch einen spannenden Artikel von Elfie Semotan gelesen, in dem sie als Modefotografin schreibt, dass man früher einfach nur schöne Fotos machen durfte. Heute geht das nicht mehr: Jedes Bild muss einen Zweck erfüllen; es muss ein Produkt verkaufen. Als Art Director arbeite ich heute genauso.
Was ich aber wirklich interessant finde, ist die Frage, wie sich die Wahrnehmung auf die Realität auswirkt: Zum Beispiel waren in den 80ern die Models noch ein bisschen dicker, jetzt werden sie immer dünner, die Gesichter immer faltenfreier und die Augen immer größer. In der Werbung und Fotografie wird das Abbild von jemandem zusehends überretuschiert. Aber was ist, wenn die Menschen diese Bilder irgendwann verinnerlicht haben und diese als Realität annehmen? Dann operiert sich der Mensch plötzlich und hyperrealisiert sich, um sich wieder diesem Abbild von der Fotografie anzunähern. Je öfter ich so ein Bild sehe, desto mehr beginne ich zu glauben, dass es ist, wie man heute aussehen muss. Obwohl ich es besser wissen müsste.
Das finde ich extrem spannend und auch, wie sich diese Bildsprache und unsere Wahrnehmung durch Technologien verändern. Darüber habe ich auch schon mit Fotografen diskutiert, ob das denn noch Fotografie ist. Was ich nämlich auch interessant finde, ist, dass man im Englischen ja „to take a picture“ sagt und im Deutschen „ein Bild machen“. Da könnte man auch fragen, ob man denn etwas aus der Realität nehmen muss? Es gibt ja auch Kulturen, in denen die Menschen nicht fotografiert werden wollen, weil sie Angst haben, man nähme ihnen damit etwas weg. Ist es dann irgendetwas, das man aus der Realität nimmt und das man dann aber auch verfremden kann? Darauf haben wir uns in der Diskussion letztendlich auch geeinigt: Ein Teil davon muss ein Bild oder eine Fotografie sein. Das würde dann ja bedeuten, dass es etwas ist, was ich aus der Welt genommen habe, ungeachtet der Technik oder des Gerätes.

Das ganze Interview gibt es im JOURNAL

Autor: Teresa Köster