Ronald Dick

Ronald Dick lebt und arbeitet als Fotograf und Künstler in London und Berlin – wobei er alle Disziplinen virtuos miteinander vereint. Interessiert hat er sich schon immer für die Peripherien – Ränder, Grenzen, Subkulturen – was er selbst unter die Themen Mystik und Weltschmerz zusammenfasst. Stillstand und Wiederholung sind ihm nicht sympathisch, er fordert sich und den Betrachter immer wieder neu heraus auf das Wagnis der Kunst.

  • *1972, lebt und arbeitet in London und Berlin
  • M.A. / B.A. Soziologie, South Bank University, London
  • Publikationen: Für immer und Ewig, Self Published Artist Book, 1995; The Art of Fashion Photography (Sammelbd.), Prestel, München 2014; Naomi Campbell (Collector’s Edition, Sammelbd.), Taschen Verlag, Berlin 2016

Ausstellungen

„Nostalgic Memory“ (mit Christophe Szpajdel), Little Krimminals 2, Berlin 2011
„Emotion“, Proud Galleries, London 2004
„Neue Deutsche Fotografie“, Praterinsel, München 2002

“Ich betreibe die Fotografie auch als Eskapismus. Ich fotografiere, was da hinten passiert, ohne jemals dort anzukommen.“

Du arbeitest als Modefotograf, machst Kunst, hast einen eigenen Verlag gegründet. Wie bringst Du all das zusammen?
Ich finde es nicht verwirrend, mich in vielen künstlerischen Formen auszudrücken. Ich bin eher ein Sammler. Sammeln ist eine uralte, aber sehr intensive Angelegenheit. Es geht darum, auszudrücken oder zusammenzubringen, dass die Welt ein Chaos ist. Dieses Chaos teile ich in Rechtecke auf. Chaos und Rechtecke sind die einzigen Konstanten, die einem Werk seriellen Charakter verleihen. Dabei ist es egal, wo die Bilder entstehen. Überall passiert dasselbe.

Woran arbeitest Du zur Zeit?
Unter anderem an einem Buch mit Bildern, die in Hiroshima entstanden sind. Allerdings geben sie nicht wieder, wie es dort aussieht. Meiner Meinung nach ist Fotografie dazu ohnehin nicht in der Lage. Ich glaube nicht, dass Fotografie Wirklichkeit abbilden kann. Das, was bei Fotografien für mich interessant ist, geschieht eher zwischen den Bildern. Hiroshima ist nicht das Thema des Buches, sondern eher eine Metapher.

Wo oder wie fotografierst Du?
Ich gehe an Orte, die ich nicht kenne. Früher bin ich in London mit dem Bus bis zur Endstation gefahren, habe mich dort verirrt und dabei fotografiert.
Den technischen Aspekt von Fotografie habe ich in meiner Jugend gelernt. Aber genau davon kann ich mich auch immer wieder lösen und befreien. So wie ich keine Bücher zu selbst gestellten Themen mache, will ich Technik nicht immer auf dieselbe Weise anwenden.

Wie entstand Dein Bild Phantasia?
Für eine schweizer Zeitung habe ich 2012 eine freie Arbeit in Berlin erstellt. Damals hieß es, dass um die Jahreswende die Welt untergehen würde. Es war dann auch sehr kalt – und ich musste jeden Tag hinaus und diese Bilder machen, Leute ansprechen und so weiter. Ich gehe gern auf Menschen zu. Besonders kurz vor der Apokalypse.
Wo die Werke aufgenommen wurden, tut nicht zur Sache. Den blauen Stein habe ich auf Reisen fotografiert, und ich weiß genau, wo. Aber darum geht es nicht, sondern darum, in welchen Zusammenhang ich dieses Werk stelle. Mein Verlag heißt übrigens Weltschmerz Verlag.

Ist Kunst für alle da?
Ich finde es wichtig, viele Menschen zu erreichen. Darum gefällt es mir auch, für Magazine zu arbeiten. Weil hier die Bilder in unterschiedlichen Kontexten massenproduziert werden und damit frei vergügbar sind. Mein großes Ziel war es immer, dass sich Kids meine Bilder aus den Magazinen reißen und übers Bett hängen. So wie ich früher.

Wusstest Du immer schon, dass Du Fotograf werden möchtest?
Mein Vater hat Fotografie studiert und mir darum immer davon abgeraten. Ich war früher Schlagzeuger in einer Thrash-Metal-Band. Das Schöne an Musik ist, dass man sie in der Regel mit Leuten macht, die man kennt. Als ich dann mit 17 nach England gezogen bin, kannte ich dort aber niemanden und habe wahrscheinlich darum angefangen, zu fotografieren. Durch die Fotografie konnte ich mein Leben in etwa so leben, wie ich es wollte. Vom Thrash-Metal bin ich dann gleich direkt beim Rave eingestiegen.

Was ist ein gutes Motiv für Dich?
Ich betreibe die Fotografie auch als Eskapismus. Ich fotografiere, was da hinten passiert, ohne jemals dort anzukommen.

Gibt es einen Rat, den Du an andere weitergeben würdest?
Ein Bild ist noch lange nicht abstrakt, nur weil man darauf nichts erkennt.

Autor: Nella Beljan

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