Mirka Laura Severa

Mirka Laura Severa macht keine halben Sachen: Die gebürtige Heidelbergerin arbeitet als Fotografin, Art Direktorin sowie Set Designerin. Ein Terzett, das es ihr ermöglicht, ihren ganz eigenen Stil konsequent zu verwirklichen – in Mode-Fotografien und Editorials, als Still Life, in ihren Auftrags- sowie freien Arbeiten, für die Mirka Laura Severa bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, darunter 2015 mit dem ADC Young Gun Award.
Studiert hat sie zunächst in Mannheim, um schließlich in den Angewandten Künsten am Sandberg Instituut der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam ihren Master zu absolvieren. In der niederländischen Metropole ist Mirka Laura Severa geblieben und arbeitet von dort aus für Kunden wie Apple, COS, Hermès, Lacoste, Louis Vuitton, SZ Magazin, The New Yorker oder Wallpaper*.

  • *1985, lebt und arbeitet in Amsterdam
  • 2015: Abschluss Master of Arts in Applied Arts am Sandberg Instituut der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam
  • 2010: Assistenz bei dem Fotografen Marcus Gaab und Art Direktorin Christiane Bördner in Berlin
  • Ausstellungen in u.a. New York, Berlin und Austin
  • Auszeichnungen u.a. ADC Young Gun Award, ADC Award (Silber), Red Dot Dommunication Design Award, European Design Award (Bronze), Kodak Photo-Calendar Award und iF communication design Award
  • Publikation: „The Still Life“ (2015), Gestalten Verlag.

Ausstellungen

„Blog Re-Blog“ (Group), Austin Center for Photography, Austin 2014
„Editions #1“ (Group), Pavlov’s Dog, Berlin 2014
„Blog Re-Blog“ (Group), Signal Gallery, Brooklyn 2013

“Ich finde es immer wichtig, dass hinter einem Foto eine Idee, ein konzeptueller Gedanke steckt.“

Du bist Fotografin, Art Direktorin und Set Designerin – wie kommen diese drei Bereiche bei dir zusammen?
Sie alle verschmelzen in meiner Arbeit miteinander. Entgegen der im kommerziellen Bereich, besonders in der Werbung, gängigen Trennung des Art Direktors, Set Designers und Fotografen ist es für mich sehr wichtig, all diese Bereiche abzudecken: Ich denke mir das Bildkonzept aus, daraus resultiert das Set, das ich selbst gestalte, und anschließend mache ich auch das Foto. Ob es sich dabei um eine Kampagne für Louis Vuitton oder ein persönliches Projekt handelt, macht für mich keinen Unterschied. Über eine andere Arbeitsweise habe ich nie nachgedacht. Mir ist es wichtig, die Kontrolle über das Bild zu haben und mich darin widerzuspiegeln.

Wie beschreibst du deinen Stil?
Ich finde es immer wichtig, dass hinter einem Foto eine Idee, ein konzeptueller Gedanke steckt. Generell würde ich meinen Stil als grafisch, sogar etwas kühl bezeichnen. Allerdings ist mir sehr wichtig, das Ganze mit Humor wieder aufzubrechen. Das tue ich zum Beispiel, indem ich immer versuche, Spannungen in Bildern zu kreieren, etwa durch surreale oder gar verstörende Momente.

So zum Beispiel in deiner Serie „Still Life“, in der du Prothesen arrangierst, inszeniert als reduzierte Stillleben. Wie ist diese Serie entstanden?
Die Serie ist aus meiner Arbeit im kommerziellen Feld entstanden, in der ich häufig Luxusgüter wie Handtaschen, Mode und Schmuck ablichte. Dabei handelt es sich um extrem aufwändig produzierte und durchdachte Fotografien, nur um am Ende ein Produkt zu verkaufen und den Wunsch zu kreieren, es zu besitzen.
Im Zuge dessen habe ich immer mehr über meine Rolle als Fotografin/Art Direktorin nachgedacht und darüber, was ich im Endeffekt mit meinen Fotografien bewirke. Ich habe begonnen, mich zu fragen, was ich mit meiner Bildsprache „bewerben“ würde, wenn es nichts zu bewerben gäbe?! Dabei kam ich auf Silikon-Prothesen: hyperrealistisch aussehende, perfekte Körperteile, die auf den ersten Blick real zu sein scheinen. Für mich ist das die perfekte Metapher für die Fragestellung, was das Produkt ist – oder vielmehr WER das Produkt ist.

Gibt es jemanden oder etwas, das du unbedingt einmal fotografieren möchtest?
Tatsächlich würde ich zukünftig gerne mehr Selbstportraits machen. Anfang des Jahres habe ich eines aufgenommen, für welches ich mich komplett verwandelt hatte. Ich finde es spannend, sogar physisch Teil des Bildes zu werden.

Ihrer Reproduzierbarkeit zum Trotz: Was macht Fotografie für dich einzigartig?
Mich fasziniert an der Fotografie, dass man mit ihrer Hilfe Welten kreieren kann. Ich denke, es ist deshalb nicht relevant, ob das Bild am Ende reproduzierbar ist oder nicht. Es kommt – ob in der Fotografie, Skulptur oder Malerei – vielmehr auf den Gedanken an, den man dabei hat.
So wie in jedem Kunstgenre sind dafür die unterschiedlichen Herangehensweisen entscheidend: Für mich ist bereits das aufwändige Bauen eines Sets ein Kunstwerk. Dann kommt die Kamera ins Spiel, die für Millisekunden das einfriert, was ich gebaut habe. Wenn das Shooting vorbei ist, schmeiße ich das Set weg.  Das einzige, was bleibt, ist die Fotografie, die einerseits dokumentiert, deren „technischen“ Aspekte andererseits auch das finale Bild mitbestimmen. Wie etwa das Licht, mit dem ich dem Set eine ganz bestimmte Stimmung verleihe. Eine Stimmung, die zu dem Gefühl, zu der Welt passt, die ich darstellen möchte: Ist sie dramatisch? Oder doch soft?

Autor: Teresa Köster

Werke des Künstlers

Künstler Serien