Marcus Gaab

Marcus Gaab lebt und arbeitet in Berlin und New York. Er ist einer der wichtigsten deutschen Fotografen, der auf internationalem Parkett zuhause ist und alle großen Mode- und Designzeitschriften entscheidend prägt. Sein Stil ist erhaben, manchmal edgy, immer tiefsinnig, oft auch ein bisschen humorvoll. Marcus Gaab liebt es, Bilder zu sammeln und sie immer wieder in andere Kontexte zu stellen. Er ist Herausgeber der auch international hoch geschätzten Magazine I LOVE YOU und ENDLESS.

  • *1970, lebt und arbeitet in Berlin und New York
  • Diplom Fotografie, Folkwang-Universität, Essen 1996
  • Publikationen: I LOVE YOU Magazin, ENDLESS Magazine
  • ständiger Contributor für New York Times Magazine, T und Nowness

Ausstellungen

„You can get From Here To There“, found Galerie, Hamburg 2008/09
„Weird Beauty“ (Group), International Center of Photography, New York 2008/09
„Der große Betrüger“, Kunstwerke, Berlin 2002 + Hamburger Bahnhof, Berlin 2002 + Colette, Paris 2003

“Mich interessiert die Fotografie immer aus einem konzeptionellen Background heraus, das Handwerk. Ästhetische Bilder interessieren mich gar nicht.“

Deine Vita ist ziemlich beeindruckend.
Und sie ist ziemlich kurz (lacht). Das Interessante an meiner Vita ist, dass sie so simpel ist. Ich habe an der Folkwang-Universität in Essen studiert, und noch während des Studiums durfte ich die großen internationalen Kampagnen fotografieren.
Christiane [Bördner] und ich haben da bereits versucht, neue Wege zu gehen – und haben mit der Digitalfotografie, damals noch ein Novum, den ersten Modekatalog auf CD-Rom herausgebracht.

Wann weißt Du denn, dass Du ein gutes Motiv vor Augen hast?
Die Entscheidung ist, dass es ein Bild ist. (Längere Pause.) Am allerwichtigsten ist, dass man in der Landschaft zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Der Apparat – ich mag Apparate – oder die Kamera macht ja das Foto, weshalb das Fotografieren an sich nicht so schwer ist.

Und wenn vor der Kamera ‚nichts’ passiert, zum Beispiel weil Du in einer Landschaft stehst?
Dann ist es im Zweifel ein Gefühl, wann etwas spannend wird – oder Du machst mehr Bilder. Der fotografische Akt, der Moment, wenn Du fotografierst, ist die Kamera und Dein Blick. Im Grunde muss man sich einer Sache einfach hingeben.
Die Frage nach dem „Warum“, also warum ich in genau diesem Moment auf den Auslöser drücke, ist eigentlich wichtiger als das Motiv selbst. Die Biographie des Fotografen – die macht das Foto, und sie ist auch das wirklich Spannende. Der Betrachter möchte wissen, was in dem Fotografen vorging und was ihn bewegt hat, dieses Motiv in diesem Moment zu fotografieren.

Wie sind die Arbeiten für BLACK IRIS entstanden?
Bei einem Family-Roadtrip nach Kalifornien entwickelte sich die Idee für unser Reisemagazin ENDLESS. Dabei ist meine Arbeit namens Zabriskie Point im Sommer 2012 in der berühmten Gegend entstanden, in der auch Michelangelo Antonioni den gleichnamigen Film dort gedreht hat. Dieses Fleckchen Erde ist emotional sehr beeindruckend. Ganz in der Nähe habe ich auch Colored Canyon, ein weiteres Bild aus dem Portfolio für BLACK IRIS, aufgenommen. Darauf zu sehen ist ein Teil der Wüste, aber diesmal nach Sonnenuntergang, was die Mystik des Ortes noch besser beschreibt.

Wann ist eine Arbeit qualitativ hochwertig?
Wenn eine Arbeit eine gewisse Qualität haben soll, ist es wichtig, dass sie eher Fragen stellt als sie zu beantworten. Sie soll nicht entzaubern. Ich arbeite übrigens gern mit Referenzen, Menschen brauchen das. Die idealen Bilder sind aber Traumlandschaften, die so auch gemalt sein könnten.

Ich sehe unglaublich viele Bücher in Deinem Büro. Bist Du ein Sammler?
Ich sammele viele Dinge und gerne – Bücher, Zeitschriften, Orte, Menschen, Fotos. Es passiert nicht, dass ich nur ein einziges Bild mache. Mich fasziniert Überfluss, Konsum. Bataille geht davon aus, dass es zu viel Sonnenenergie gebe, die man irgendwie verschwenden müsse. Vielleicht hat es etwas damit zu tun.
Zu jedem Zeitpunkt aus sich heraus zu arbeiten, das gefällt mir daran. Bei meiner eigenen Ausstellung You can get From Here To There war das der Moment in der Zeit, an dem ich gestoppt habe, um ein Gesamtbild zu entwerfen. Das ist ziemlich spannend. Und dieses Gesamtbild kann immer wieder neu angeordnet werden.

Autor: Nella Beljan

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