Kerry Dean

Kerry Dean lebt und arbeitet in London. Begonnen hat sie ihre Karriere als Landschaftsfotografin, was auch in ihren Fashionfotos spürbar bleibt. Auf einer Reise in die Mongolei bemerkte sie in der Wüste ein kleines Mädchen, das ein Paar riesige Pom Poms im Haar trug. Augenblicklich davon fasziniert, suchte Kerry nach weiteren Pom Pom Girls und fotografierte sie in der kargen Landschaft. Deren stille Schönheit und Würde sowie das Nebeneinander von Tradition und westlichem Einfluss hat die britische Fotografin in beeindruckenden Bildern festgehalten.

  • Abschlüsse: London College of Printing / University of the Arts

Ausstellungen

„Local Wisdom | The Craft of Use“ (Group), London College of Fashion, London 2014
„The Making of Making – 1948“ (Solo), London Store, London 2013
„Think Again – Mother“ (Solo), London 2012
„Mongolia“ (Solo), TheFrontViewGallery, Whitstable 2011
„Winter notes on Summer Expressions“ (Group), Six Degress Gallery, London 2007
„The emptiness of a land with no fences“ (Solo), The Muse Gallery, London 2006

“Sie haben aufmerksam beobachtet, wie ich schlief, aß, arbeitete und sogar wenn ich mich halbnackt umzog. Von Pom Pom Girls umringt zu sein, die mich observierten, fühlte sich am Ende ganz normal an.“
In Deiner Arbeit schimmert Schönheit in der Einsamkeit und Stille von Landschaften durch. Interessiert Dich das?
Ich habe als Landschaftsfotografin angefangen, das durchzieht meine Arbeit. Sogar bei Mode-Shoots fühle ich mich von Landschaft angezogen. Meine erste Einzelausstellung ‘The emptiness of a land with no fences’ könnte man unter dem Aspekt Einsamkeit betrachten. Bei meinen Fashion-Arbeiten geht es aber nicht mehr um mich, sondern um die Verbindung zwischen dem Modell und der Umgebung. Da will ich ein Narrativ, eine Stimmung dafür, dass man irgendwo hingehört, aufbauen – was ebenfalls mit Einsamkeit zu tun hat. Aber das ist wohl eher unbewusst.

Du lebst in London und fotografierst viele Fashion Editorials. Wie kamst zu den Pom Pom Mädchen in der Wüste Gobi?
Als erstes habe ich auf einer Reise in die Mongolei eines der Mädchen aus der Schule durch ein Dorf nachhause laufen sehen. Es war das Mädchen mit den größten Pom Poms in der Serie. Die Pom Poms werden als Accessoire getragen und sind ein Relikt aus dem Kommunismus.
Es war etwas so wundervoll Unpassendes und unpassend Wundervolles, diese Art von Accessoires an jemandem zu sehen, an diesem abgelegen Ort, in dieser Landschaft. Ich wurde wie besessen davon, noch mehr dieser Pom Pom Girls zu finden und zu fotografieren.
Viele Mädchen trugen über ihrer Schuluniform Trainingsjacken. Ich habe es absolut geliebt, sie in dieser leeren Landschaft zu fotografieren. Traditionell, fast altmodisch und gleichzeitig ganz offensichtlich von der modernen westlichen Welt beeinflusst.

Hast Du mit einem Übersetzer gearbeitet oder auf nonverbale Kommunikation gesetzt?
Ich habe mit einem Übersetzer gearbeitet, der gleichzeitig mein Helfer vor Ort war. Das war von entscheidender Bedeutung für das Projekt. Sobald ich aber meine Protagonisten gefunden und die Basics geklärt waren, gab es nicht so viel zu übersetzen. Das ist es, was ich an Fotografie liebe; man verständigt sich nicht durch Sprache, sondern es entwickelt sich etwas: ein anderer Weg von Verständnis oder sich wahrzunehmen.
Ich wollte die Mädchen mit meiner Kamera festhalten, wie sie waren. Natürlich antwortete etwas in ihnen auch auf meine Anwesenheit, aber ich  wollte sie dabei nicht beeinflussen. Sie waren sich alle ziemlich „sicher“ über die Posen, die sie einnehmen wollten.

Welches ist Dein Lieblingsmädchen und warum?
Das ist wirklich schwer, weil sie alle ganz besonders, wunderschön und phantastisch aussehen. Aber wenn, dann würde ich Nandinchimeg Tserenbat sagen, das Mädchen mit der gelben Plastiktüte. Sie ist acht Jare alt. Ihre Eltern sind Hirten. Ich bin absolut verliebt in ihre fast großmütterliche Pose und die Form ihrer Hände.

Wie waren die Mädchen fernab von den Fotosessions?
Das Dorf, in dem ich fotografiert habe, beherbergt nur sehr selten Besucher aus Europa, also tauchten ganze Wagenladungen an Mädchen in meiner Jurte auf. Ihre Anzahl multiplizierte sich täglich. Je nachdem, wie mutig sie sich fühlten, rannten sie herein, erstarrten und fingen an zu lachen. Sie haben aufmerksam beobachtet, wie ich schlief, aß, arbeitete und sogar wenn ich mich halbnackt umzog. Von Pom Pom Girls umringt zu sein, die mich observierten, fühlte sich am Ende ganz normal an.

Autor: Nella Beljan

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