Jana Gerberding

Jana Gerberding lebt und arbeitet seit 2009 als erfolgreiche Modefotografin in Berlin. Ihre Bilder nehmen den Betrachter mit auf eine Reise – sanft und augenblicklich führen sie einen an Orte von stiller Schönheit, in poetische Landschaften und fast surreale Traumsequenzen. Im Vordergrund steht das Spiel mit der Ambivalenz. Die Suche danach beschreibt Gerberding selbst als unbewusste: als etwas, das sie nicht plane, das sich jedoch immer wieder in ihren Arbeiten finden lasse.

  • *1983, lebt und arbeitet in Berlin
  • Diplom Fotografie, FH Dortmund 2010
“Alles Schöne hat auch immer etwas Nicht-Schönes, alles Laute auch etwas Leises.“

Wie kamst Du als Berlinerin und gebürtige Niedersächsin in die Region Oderbruch, in der Deine Serie mit gleichem Namen entstanden ist?
Die ganze Strecke ist seit dem Studium die erste, die nichts mit Mode zu tun hat und die erste, die ich wieder auf Film fotografiert habe. Ein Magazin hat mich gebeten, ein Portrait von einem Ort zu machen, den ich liebe.
Ich liebe diesen Ort, weil er einerseits unglaublich schön ist – aber die Schönheit erkennst du erst auf den zweiten Blick. Er hat diesen “Ost-Charme”, der sehr rau ist, also nicht offensichtlich schön, irgendwie surreal und ein bisschen skurril – deswegen bin ich immer dahin zurückgekehrt. Die Bilder sind, so wie der Ort ist.
Ich war sehr oft am Wochenende dort. An ein, zwei Wochenenden bin ich herumgefahren und habe an allen Orten angehalten, die Störfaktoren enthielten – wie das Fahrgestell, das gerade abgebaut wurde oder der vom Blitz geteilte Baum.
Ist das etwas, das Dich interessiert: die Ruhe nach dem Sturm zu fotografieren oder Schönheit zu finden im…?
(Jana Gerberding ergänzt) Im nicht Perfekten. Das ist genau mein Thema. Ambivalenz durchzieht meine Arbeiten, weil ich in allen Dingen diese beiden Seiten sehe: Alles Schöne hat auch immer etwas Nicht-Schönes, alles Laute auch etwas Leises. Ich suche diesen Gegenpol in meinen Bildern – nicht bewusst, aber ich finde ihn doch immer wieder in ihnen. Es ist vielleicht eher etwas, was ich verinnerlicht habe.
Das erinnert ein bisschen an Bob Dylan: There’s a crack in everything, that’s where the light gets in.
Ja, das stimmt, das ist schön.

Kommen wir zu Deinen Nudes. Sie wirken in der Originalgröße wie Landschaften. Ist diese Transformation ebenfalls ein Motiv, mit dem Du gern arbeitest?
Eigentlich durchzieht das alle meine Arbeiten: Sie spielt mit einer offensichtlichen Schönheit. In diesem Fall mit einem schönen Körper, der verformt wird. Einen Frauenpo sehen viele als Sexsymbol genauso wie die Brust. Durch die Größe des Prints von 1,30m x 1,20m treten die Brustwarzen total in den Hintergrund, es geht um die Flächigkeit, wie Du schon sagtest, wie eine Landschaft.

Du hast gesagt, Du bevorzugst Fotos, die authentisch und momenthaft wirken. Wolfgang Tillmans hat das in vielen Arbeiten, auch wenn seine Fotos eine ganz andere Tonart vorgeben, eher wie ein Paukenschlag sind.
Ja. Meine Fotografie ist viel stiller. Ein Sammeln von Augenblicken. Ich arbeite unglaublich intuitiv. Ich will vorher auch nicht wissen, wie das Bild aussieht. Das schränkt mich zu sehr in meiner Kreativität ein. Ich schmeiße mich gerne selber in Situationen, die nicht vorbestimmt sind. Und dann versuche ich darauf zu reagieren.

Gibt die Entscheidung für einen Ort nicht konzeptionell etwas vor?
Das ist lediglich die Rahmenbedingung. Ich baue meine Bilder aber nicht im Vorfeld, sondern es gibt einen Ort, an dem ich fotografiere. Aber es kann sein, dass ich dann da stehe und merke: Das gefällt mir nicht. Und ich drehe mich um und gehe auf den gegenüberliegenden Fußballplatz und mache da das Shooting.

Autor: Nella Beljan

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