Christian Hagemann

Christian Hagemann arbeitet als Still Life Fotograf in Berlin. Seine Bilder zeigen ein spielerisches Changieren zwischen Inszenierung und Vorgefundenem. Hagemann interessiert die Welt der Dinge, und vor allem als Projektionsfläche. Mit seiner starken Bildsprache deutet er das “Vorleben” dieser Gegenstände mit ihren Besitzern an und lädt zur Imagination ein. So entstehen höchst ästhetische, mehrdeutige Arbeiten mit besonderer Tiefe.

  • *1976, lebt und arbeitet in Berlin
  • Abschlüsse: 2004 Diplom in Fotografie an der Folkwang Universität in Essen, 2007 Master in Fine Arts am Royal College of Art in London
  • Preise: Selected for Voices Off Awards, Arles, France, 2011; Flash Forward Award UK, Magenta Foundation, Great Britain, 2009; Selected for PEEK 2007, Art and Commerce, New York, 2007
  • Publikationen und Ausstellungen: The Still Life, Gestalten Publishers, Berlin, Germany, 2015; Vision Magazine, China, June 2012; Returning to Berlin, Symposium+Show, Motto Bookstore

Ausstellungen

„Domestic scapes“ (Group), Galerie Reckermann, Köln 2008
„Left to my own devices“ (Solo), Galerie Bernhard Knaus, Frankfurt 2008
„Teaching Photography Europe“ (Group), Museum Folkwang, Essen, Germany 2010
„The Skinned City“ (Group), Yinka Shonibare Studio, London/Hackney 2010
„Returning to Berlin“, Motto Bookstore, Berlin 2013

“Ich mag es, Irritationen oder ambivalente Lesarten zu erzeugen.“

Perfekt inszeniert wirken Deine Fotografien. Wie gehst Du vor, wenn Du ein Bild machst?
Beim Erstellen meiner Bilder habe ich immer zwei Positionen inne: Ich baue das Set, bin vor der Kamera, aber auch dahinter, um den Blickwinkel festzulegen. Und ich möchte auch die zufälligen Komponenten einbeziehen – das, was beim Fotografieren spontan und unvorhersehbar dazukommt.

Dein Zyklus Antishake zeigt Weltraumaufnahmen – das wirkt sehr elegant, aber irgendwie auch rau. Worauf beruht diese Spannung?
In Anti Shake zeige ich viele einzelne Galaxien, Sternennebel, Cluster bzw. die zusammengeknüllten Fotoabzüge davon, die ich noch mal mit einem harten Blitzlicht abfotografiert habe. Die Falten im Fotopapier reflektieren das Licht des Blitzlichts, dadurch entstehen helle Flecken, die kaum zu unterscheiden sind von den überstrahlenden abfotografierten Sternen.
Mir gefiel die Vorstellung, Raum und Zeit zu dehnen, aber auch, durch die Fotografie etwas Abwesendes oder weit Entferntes oder Vergangenes vor die Augen des Betrachters zu bringen.

Kommen wir auf Deine Arbeit Der ungefegte Boden zu sprechen. Der Titel klingt wie eine Anspielung, woher stammt er?
Das ist eines meiner Lieblingsbilder, es gehört zum Zyklus Afterhours. Dabei habe ich an ein römisches Mosaik mit gleichem Namen in einer alten Villa gedacht. Es zeigt, wie deren Boden nach einem Fest aussehen würde.
Bei mir geht es ebenfalls um die Reste und Überbleibsel, ein Changieren zwischen Vorgefundenem und Inszenierung. Es ist eine Art von Spurenlesen, durch die sich viele kleine narrative Stränge und Anspielungen eröffnen, z.B. wenn man den Würfel entdeckt.

Was macht für Dich gute Kunst aus?
Meine Helden sind viele Künstler der 1920er Jahre, die leichtfüßig Grenzen durchbrochen haben – wie Man Ray und Marcel Duchamp. Mir gefällt auch deren Humor, die eigene Arbeit nicht allzu ernst zu nehmen.
Wer gute Kunst macht, der hat ein gesteigertes Interesse an einem ganz bestimmten Sujet, oder diesen einen bestimmten, unverwechselbaren Blickwinkel auf die Welt. Wenn jemand bewirkt, dass man seine Wahrnehmungsmuster, seine Blickgewohnheiten neu ausrichten muss, ist das ziemlich spannend – das schafft die Kunst. Und dann versucht man als Betrachter neu zu verstehen.

Autor: Nella Beljan

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