Alessandro Furchino Capria

Alessandro Furchino Capria ist ein italienischer Fotograf und Art-Direktor. Er spezialisierte sich auf Mode- und Porträtfotografie. Seine Arbeiten glänzen durch einen kreativen und filigranen Umgang mit Licht, eine präzise Farbbalance und eine harmonische Bildkomposition. Allesandro publizierte in zahlreichen internationalen Top-Magazinen, u.a. Zeit Magazin, Monocle, WSJ-Wall Street Journal Magazine, Wallpaper, W Magazine, L’Officiel Hommes Paris und weiteren Magazinen. Er arbeitet u.a. für folgende Marken: Versace, Trussardi, Andrea Pompilio, YOOX, Matches Fashion, Sunnei und Mr. Porter.

  • *1982, lebt und arbeitet in Mailand.
  • Bücher: Reminiscence of Summer (2014), Dicembre (2015)
  • Publikationen: NSS, Un viaggio nella mente di Alessandro Furchino Capria con The Relations (Mr-Captain); Lens Culture, Mr.Captain; It’s Nice That, Gufram, Space Magazine; One year of Books, Dicembre; Hunger, Dicembre;  It’s Nice That, Reminiscence of Summer; Platinum Love, Reminiscence of Summer;

Ausstellungen

„Il nuovo vocabolario della Moda Italiana“ (Group), Triennale di Milano 2015-2016
„Beyond Love, Desolation & Devotion“  (Group), St.James Cavalier, Malta 2015
„Reminiscence of Summer“ (Group), New York Photofestival – Photoworld, NY 2014
„Kokoro“ (Group), Camera 16, Milan 2011

“Ich verbringe eine Menge Zeit damit, Licht zu beobachten.“

Wann hast du begonnen, dich für Fotografie zu interessieren, und was hat dieses Interesse ausgelöst?
Als Experte in Zeitverschwendung begann ich spät mit der Fotografie. Ich hatte sie bis ich bis Anfang 20 war nicht auf dem Schirm. Für mich begann alles mit einer Ausstellung von Richard Avedon in Mailand. Ich war sofort von der Intensität seiner Porträts und der Stärke seiner Prints fasziniert.

Kannst du dich an das erste Foto erinnern, das du gemacht hast? An deine erste Kamera?
Zum ersten Foto gibt es keine sentimentale Geschichte, nichts, was auf die Tränendrüse drückt. Ich kann mich allerdings an meine erste Kamera erinnern: Es begann mit einer Hasselblad. Ich war zutiefst vom Vermächtnis eines solchen komplexen Objektes fasziniert, speziell vom physisch-analogen Mechanismus der Fotografie und dem traditionellem Arbeitsablauf.

Wann wurde dir klar, das Fotografie das war, was du mit deinem Leben machen wolltest?
Wie bereits gesagt, ich hatte meine “Erleuchtung” bei einer Retrospektive von Richard Avedon. Es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte, etwas extrem Kraftvolles zu sehen, ohne tatsächlich viel über Fotografie und speziell über diese Art von erzählerischer Fotografie zu wissen. Das war der Moment, als mir klar wurde, dass ich nicht nur ein Fotograf sein wollte, sondern auch ein Erzähler.

Also, was passierte nachdem du dich entschieden hattest, Fotograf zu werden? Hast du ein Kunsthochschule besucht, oder hast du dir einfach eine Kamera geschnappt und losgelegt?
Mein Ansatz war holistisch und aktiv. Ich habe zuerst assistiert, da ich unbedingt die tatsächliche Kunst der Fotografie lernen wollte. Ich hatte den Drang, mir ein solides Wissen in Bezug auf meine technischen Fähigkeiten zu schaffen und ständig daran zu arbeiten. Ein großer Teil meines Entwicklungsprozesses beruht auf akribischer, persönlicher Recherche und unermüdlichem, konstantem Lernen. Für mich ist das eine Art Verpflichtung, um als “Schöpfer” anerkannt zu werden.

Was war dein erster Auftrag, und wie ging es von da an weiter?
Another Magazine beauftragte mich zu dokumentieren, was während der Mailänder Modewoche Backstage passierte. Ich hatte einen guten Start, aber ich war am Fuß des Berges und klettere immer noch in Richtung des endlosen Gipfels.

Was ist für dich der größte Unterschied zwischen freier und Auftragsarbeit?
Das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Künstler ist seit jeher eine heikle Angelegenheit. Es ist immer ein besonderer Drahtseilakt, die eigenen künstlerischen Visionen und die Kundenwünsche auszubalancieren. Wir wissen alle, dass es als Profi nicht möglich ist, ohne Aufträge zu leben. Natürlich wäre ich lieber völlig frei und würde mein eigenes Ding machen. Das ist der Grund, warum ich viel persönliche Recherche betreibe und meine eigenen Projekte entwickle. Ein großes Ziel ist es, meine persönlichen Recherchen mit Auftragsarbeiten zu koordinieren, wie es mit einem meiner Bücher passierte. Als Art-Direktor kann ich ein Projekt mit einer umfassenderen Vision angehen, indem ich das tatsächliche Produkt und das Endergebnis mit in Betracht ziehe. Diese deutlich holistische Perspektive gibt mir die Möglichkeit, organisch an Fotografie und Art-Direktion zu arbeiten und meinen veröffentlichten Arbeiten dabei ein Gefühl von Zusammenhang zu geben.

Was fasziniert dich an Porträts?
Da ich introvertiert bin, ermöglichen mir Porträts Kontakt zu Personen ohne vertrauliches Gespräch. Kommunikation findet hier auf einer anderen Ebene statt. Es ist eine Möglichkeit, jemanden in genau dem Moment zu dokumentieren und darzustellen, ohne dass diese mir eine gespielte Version von sich selbst geben.

Das beste Shooting, das du jemals hattest?
Mich zieht alles an, was ich noch nicht gemacht oder erlebt habe.

Was inspiriert dich?
Ich verbringe eine Menge Zeit damit, Licht zu beobachten. Ich bin besessen davon, wie es die Realität um einen herum gestaltet, wie es Konturen und Farben in unvorhersehbarer Art verändert.

Wer sind deine Lieblingsfotografen und warum?
Ich bewundere die Arbeiten vieler Fotografen. Es ist toll zu wissen, dass es da draußen so viel Schönheit und Geschmack gibt. Fotografen wie Luigi Ghirri, Richard Avedon, Irving Penn, Alec Soth, Thomas Struth haben, neben anderen, meinen Geschmack und meinen Fotografie-Stil stark geprägt.

Wenn man sich deine Serien „Colori fronte mare” und „Acquaintance from the beach“ anschaut, ist das Erste, was einem auffällt, das sie ruhig sind, friedlich. Ein Sonnenschirm ist ein gewohnter Anblick am Strand, Teile einer Fotoausrüstung eher nicht. Was ist die Idee hinter „Colori fronte mare”?
Die Fotoausrüstung ist eine Art Verbindung zwischen der tiefen Bedeutung der Bilder und wie ich diese realisiert habe.
“Colori fronte mare” ist ein persönlicher Blickwinkel auf eine inneres, fortwährendes Gefühl: die kurzfristige Einsamkeit. Mit anderen Worten: Wenn Menschen sich selber aus dem sozialen Kontext ihres Lebens herausnehmen, sind sie besser in der Lage zu sehen, wie dieser Kontext sie geformt hat.

Da scheint ein Öltanker am Horizont zu sein, ist das Teil des Konzeptes oder einfach Zufall?
Als ich den Tanker sah, bemerkte ich, dass dieser ein guter Fluchtpunkt für die Fotografien ist. Also ließ ich ihn im Ausschnitt. Ich vertraue völlig auf Zufall in Fotografie. Das ist Teil meines persönlichen Ansatzes bei jeder Aufnahme, die ich mache.

Sonnenschirme sind ein gewohnter Anblick am Strand, aber hier scheint es, dass sie zurückgelassen wurden. Ist da so etwas wie eine poetische Vorstellung, etwas das Einsamkeit darstellt? Oder wird hier ihre Nutzlosigkeit dargestellt, da ja die Sonne nicht scheint?
Auf eine bestimmte Art bin ich sehr fasziniert von kurzzeitiger Einsamkeit. Ich mag es, dieses Gefühl zu erforschen. Als ich mit „Acquaintance from the beach“ begann, wanderte ich am Ende des Tages an einem Strand in Süditalien entlang. Dabei fiel mir auf, dass viele Leute ihren Sonnenschirm für den nächsten Tag am Strand liegen ließen. Ich dachte darüber nach, inwiefern sie Einsamkeit fühlen, nachdem sie benutzt zurückgelassen wurden.

 

 

 

 

Autor: Erik Hüsken

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